Steigende SchülerInnenzahlen, neue Herausforderungen

Schulform und Standort der neuen Sekundarschule auf dem Schalker Verein umstritten

von Denise Klein

Gelsenkirchen braucht eine weitere Schule. Mehr Geburten und mehr Zuwanderung lassen die Zahlen von derzeit ca. 14.000 Schülerinnen und Schülern, die die 5. bis 13. Klasse besuchen, auf über 17.000 in den nächsten sieben Jahren ansteigen. Mehr Schulpflichtige, mehr Schulraum, so die schlichte Erkenntnis. Und schnell muss es gehen, denn eine Inbetriebnahme einer neuen Schule müsste für das Schuljahr 2023/24 vonstattengehen. Politik und Verwaltung haben darauf reagiert, und bei der Ratssitzung im März beschloss die SPD-Fraktion mit ihrer Mehrheit sowohl die Schulform als auch den Standort der neuen Schule. Nun soll es eine teilintegrierte Sekundarschule auf dem Gelände des Schalker Vereins werden. Für beides hatte die Verwaltung zuvor eine klare Empfehlung abgeben. Die Sekundarschule umfasst die Jahrgänge 5 bis 10, für eine Oberstufe soll mit anderen Schulen kooperiert werden.

Doch diese Entscheidung ist umstritten. Zumindest was die Schulform angeht, sieht die Ratsopposition eine Sekundarschule  kritisch. Grüne, CDU, AUF und AfD stimmten gegen den Standort. Und gegen die einsame, aber stramme Abstimmung der SPD-Mehrheit für eine Sekundarschule. Denn dieser relativ neuen Schulform fehlt der gymnasiale Strang, Abitur geht nur auf einer anderen Schule. Hauptschule light. Viele Städte bescheinigten schon vor einigen Jahren den Sekundarschulen den frühzeitigen Tod, denn Eltern standen dieser Schulform kritisch gegenüber, was sich an den Anmeldezahlen ablesen ließ. Auch in Gelsenkirchen ist die Gesamtschule, geht man nach den Anmeldezahlen, die beliebteste Schulform.

Doch wurden in den letzten Jahren Schüler immer wieder abgewiesen. Alle Plätze belegt, bitte weitersuchen! Für die Kinder, aber auch für die Eltern kann das eine Katastrophe sein. Weitere Schulwege, mehr Organisation, fremde Klassenkameraden. Was läge da näher, diesem Elternwillen zu folgen und eine weitere Gesamtschule zu bauen? Die fehlende Empfehlung für das Gymnasium! Hier geht es vor allem um die Kinder der Internationalen Förderklassen (IFÖ), also Kinder, die teilweise noch alphabetisiert werden, in jedem Fall aber die deutsche Sprache lernen müssen. Von diesen derzeit 650 Schülerinnen und Schülern haben lediglich 3% eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen. 163 Kinder (25%) sollten eine Realschule besuchen und dem Großteil (72%) wurde die Wahl einer Hauptschule, Gesamtschule oder eben einer Sekundarschule nahegelegt. Doch bei derzeit 14.000 Schülerinnen und Schülern machen die 650 IFÖ-Kinder gerade mal 5% aus.

Nun ist die Entscheidung gefallen und offenbar nicht diskutabel. Sechs Klassen soll jeder Jahrgang haben. Mit dieser Größe liegt man über dem Richtwert für Sekundarschulen von höchstens fünf Klassen eines Jahrgangs. Also wird die neue Schule eine große werden. Im Vorfeld wurden seitens der Verwaltung mehrere Standorte in den Blick genommen. Die favorisierten Gelände sollten über mindestens 20.000 m2 verfügen, was letztlich, nach Verwaltungsrecherche, auf dem ehemaligen  Katastrophenschutzzentrum am Berger Feld, dem Parkplatz an der Gesamtschule Berger Feld, dem ehemaligen Betriebsgelände des Metallverarbeiters Exarchos in Bulmke-Hüllen oder dem Gelände Schalker Verein West gegeben wäre. Die Ratsfraktion der SPD entschied sich für letzteres.

 

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