Wer macht den Job?

Wir stellen vor: Mögliche Kandidaten*innen für die Nachfolge  von Oberbürgermeister Frank Baranowski

2020 endet für Gelsenkirchen eine Ära. Nach 16 Jahren(!) im Amt des Oberbürgermeisters spricht Frank Baranowski ein letztes „Glückauf”, um sich anschließend als Bürger der Stadt ins Privatleben zurückzuziehen. Damit hinterlässt er nicht nur einen leeren Stuhl, sondern auch ein Amt, das in einer Stadt wie Gelsenkirchen weiterhin auszuüben angesichts multipler Problemlagen geradezu herkulische Kräfte von jedemjeder möglichen Nachfolgerin verlangt – oder aber ein ausgesprochen dickes Fell. Leider steht unserer Stadt ihr tatsächlicher Herkules nicht zur Verfügung und ist (unter uns gesagt) trotz seines nicht zu leugnenden Überblicks auch etwas zu steif in den Gliedern.
Und? Haben Sie schon Ideen? Wer könnte es werden? Wer könnte in und mit Gelsenkirchen weitermachen? Also, wir in der isso.-Redaktion haben mal sondiert. Maßgabe: Bitte nicht noch mehr vom Alten! Am Ende aller Rankings stehen wir schon, weiter runter wollen wir nicht. In der aktuellen Situation muss ein neuer OB, muss eine neue OBine mindestens das Rad neu erfinden, das Kamel durch’s Nadelöhr schieben oder Schalke die Meisterschaft kaufen.
Hier also unsere Kandidaten*innen für den schwersten Job von Deutschland. Gefragt, ob sie überhaupt wollen, haben wir sie übrigens nicht. Manchmal stellt einem das Leben eben Aufgaben. Und wir stellen uns nur zu gern ihre überraschten Gesichter vor 😉

 

 

 

Clemens Tönnies: Der Macher

Wenn jemand uns effektiv nach vorne bringt, dann er. Und das mit Trump-Effekt, denn Tönnies weiß, wie man nach oben kommt. Mit seinem geschätzten Vermögen von 1,4 Milliarden Euro wäre GE die lästigen Altschulden los. Dafür würden sämtliche Industrieanlagen im Stadtgebiet zur weltweit größten Schlachterei umgebaut – Arbeit für alle Arbeitssuchenden (in GE rund 50.000). Clan-Kriminialität würde er genau ausloten und entgangene Steuermittel konsequent eintreiben. Darin hat er Erfahrung, denn er hat sich (nach Spiegel-Recherchen) durch Cum-Ex-Geschäfte so manche nicht gezahlte Ertragssteuer vom Steuerzahler „erstatten“ lassen. Clever ist er, Hut ab! – „Ich bin diesem Land, äh, dieser Stadt so dankbar, ich möchte der Gesellschaft mit meiner Kandidatur etwas zurückgeben“, würde er sagen. Und wir würden es glauben, denn er ist Schalke-Aufsichtsratsvorsitzender, und da den Gelsenkirchenerinnen der Schalke-Fanatismus schon in die DNS geschrieben ist, finden die Wählerinnen den smarten Halbglatzenträger qua Geburt supi. Dabei legt Tönnies Wert auf Dialog, wie kollegiale Preisabsprachen mit seinen Tochterfirmen Böklunder und Köneke Fleischwarenfabrik zeigen. Und auch er selbst würde von einer „Win-Win-Kandidatur” in GE profitieren: An unserer kunterbunten Bevölkerung könnte er ein wenig kultursensibles Verhalten trainieren. Nicht, dass er das bräuchte, aber Shitstorms kleinlicher und empörter Rassismusvorwerfer*innen nerven ja auf Dauer.

Pro: Dritte-Welt-Stadt GE auf Vordermann bringen, dann „hören die auf, wenn es dunkel wird und der Strom mal wieder nicht bezahlt ist, Kinder zu produzieren.“
Contra: Müsste nach GE ziehen wegen Glaubwürdigkeit und so…

 

 

Photo ©: Jens Koch

Henriette Reker: Die Queen

Zehn Jahre, welche die adrette und derzeitige Kölner Oberbürgermeisterin einfach nicht vergessen kann: Unter OB Frank Baranowski war die charmante Frisurenträgerin von 2000 bis zum unvergessenen Kulturhauptstadtjahr 2010 Beigeordnete für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz der Stadt Gelsenkirchen. In dieser Zeit hat sie sich – selbst als Frau – bei vielen Respekt verdient. In der schönen Rheinmetropole dann jedoch kam es für sie knüppeldicke. Kurz nach ihrer Inthronisierung 2015 musste sie sich im Spießrutenlauf üben – was der durchtrainierten, topfitten Mittsechzigerin nicht schwerfällt –, als ihr von voll gemeinen Medien die Verschleierung der tatsächlichen Umstände in der legendären KÖLNER SILVESTERNACHT© vorgeworfen wurde. Aber auch hier zeigte sie Nerven aus Stahl. Zackzack wurde Polizeipräsident Albers in den vorzeitigen Ruhestand geschickt, hatte er doch einfach das Migrantensein der Täter unter den Tisch fallen lassen und seine Chefin mit dieser Nicht-Info ins gewetzte Messer der lechzenden Pressemeute laufen lassen. Nach all dem wäre Gelsenkirchen für sie eine berufliche Wellness-Oase: Handzahme Presse, kein aufreibendes und schlafraubendes Nachtleben, dafür den Rhein-Herne-Kanal zum Relaxen. Und eine Eiserne Lady kann Gelsenkirchen immer gut gebrauchen.

Pro: Stilsicher! Glamourfaktor! (Funfact: Ihr Mann ist Golflehrer, Australier und immer very stylish gedressed. So bekommt Gelsenkichen was Royales).
Contra: Wenn sie aus Köln flieht, dann wegen des nervigen Karnevals. In GE (sagen Insider) würde sie jegliches jeckes Treiben per Dekret unterbinden.

 

 

Norbert Labatzki: Der Vielseitige

Im Rathaus unserer Stadt kennt Norbert Labatzki sich schon ziemlich gut aus, seit er und seine Unterstützer dort einmal im Jahr die beliebte Straßenfeuer-Spendengala zugunsten Wohnungsloser steigen lassen. Um in dieser Hinsicht mitreden zu können, hat der begnadete Klezmer-Musiker eines Winters sogar selbst einmal draußen übernachtet – eine das Ego erdende Übung, die unter einem OB Labatzki sicherlich für alle Stadtverordneten obligatorisch würde. Doch er kann noch mehr: Philosophische Trinklieder hauchen, dass man denkt, Tom Waits sei über’n Teich gekommen, oder die Gelsenkirchener Szene-Prominenz in verrückten Kriminalromänchen verwursten. Und sollte es ihm als OB mal zu bunt, zu langweilig oder beides werden, könnte sich der nette „Mr. Mambo” auch ganz flott in den berüchtigten „Dr. Stolzenfels” verwandeln und den Rat mit gänzlich nackten Tatsachen konfrontieren.

Pro: Eine ehrliche Haut. Hinten, vorne, rundum.
Contra: Hat eigentlich Wichtigeres zu tun, als OB zu spielen.

 

Annette Berg: Die Small-Talkerin

Seit 2016 dient Annette Berg unserer Stadt bereits als Vorstand für den Bereich Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration. Davor war sie Leiterin des Monheimer sowie des Essener Jugendamtes. Mit schwierigen Jugendlichen kennt sie sich aus, da wird sie auch der Gelsenkirchener Stadtrat vor keine größere Aufgabe mehr stellen. Und: Mit der stets warmherzigen und freundlichen Raucherin kann man draußen vor der Tür jederzeit ganz ungezwungen ins Gespräch kommen.

Pro: Bereits gut eingearbeitet. Kann direkt übernehmen.
Contra: SPD hatten wir eigentlich schon mal…

 

Roman Pilgrim: Der Kreative

Dass er Menschen zusammenbringen, Strukturen aufbauen, Events organisieren und durch unechte Fake-Aktionen die Szene verwirren kann, hat der smarte T-Shirt-Träger Roman Pilgrim bereits vielfach bewiesen. Im Ückendorfer Kreativ-Quartier gehört der stets aktive Aktive (der nebenbei auch noch tachistisch malt) zu den „Wahnsinnigen städtischen Kuhjungen” und hat sogar bereits konkrete Baupläne für ein neues Ückendorfer Rathaus vorgelegt. Da müsste ihn doch auch der Chefsessel im HSH reizen. Als OB stünde Pilgrim für die Förderung kreativer Strömungen in GE. Wo Baranowski „nur” die #Vernetzte Stadt ausrief, würde Pilgrim die Stadtverwaltung komplett auf Virtual Reality umstellen, spacige Datenbrillen inklusive. Neuer Dresscode im Rathaus: BBB – Brille, Bart und Basecap.

Pro: Als coolster OB von Deutschland würde Pilgrim die Verhipsterung von Gelsenkirchen entscheidend voranbringen.
Contra: Müsste regelmäßig zu seinem Atelier in Berlin pendeln.

 

Jan Böhmermann: Der Schwiegersohn

Jetzt mal ganz ohne Fake: Der Mann hat Witz und Stil (seine Anzüge sitzen noch besser als die von Baranowski), er hat seine eigene Film-Produktionsfirma (mit Grimme-Preis), er hat die geilsten Webchecker (die machen für uns die „Reconquista Gelsenkirchen”), er hat einen super Draht zur deutsch-türkischen Community und ihrem Kö… Präsidenten, er hat ein Händchen für den „Kleinen Mann”, er hat Laugengebäck, er hat einen silbernen Triceratops, er hat William Cohn, aber vor allem (und jetzt alle Kids vom Bahnhofsvorplatz die Öhrchen gespitzt) – er hat Polizei!!!

Pro: Lachsalven statt Polit-Homöopathie!
Contra: Als OB hätte er keine Zeit mehr für seine TV-Show.

 

 

Venetia Harontzas: Die Power-Migradonna

Mit unerschütterlicher Kraft ein Soziales Zentrum mitten in Schalke schaukeln? – Kann sie!
Jede denkbare Anzahl Kinder zur Räsong bringen, organisieren und mit ihnen Flamenco tanzen, Theater spielen, einen Garten pflanzen etc.? – Kann sie auch!
Selbst in schwierigsten Situationen einen Weg durch den sozialen und politischen Dschungel finden – Check!
In zwei Jahrzehnten im Lalok Libre in Schalke hat sich Venetia Harontzas mit Durchsetzungskraft, hochgekrempelten Ärmeln und jeder Menge Galgenhumor im verbalen Nahkampf auch für höhere Aufgaben mehr als ausgezeichnet. Mit ihr als OBine käme das multikulturelle Gelsenkirchen endlich mal richtig im Rathaus an. Und by the way: Ihr Catering-Team ist erste Sahne.

Pro: Sie sorgt dafür, dass alle was zu essen bekommen. Und in den Urlaub fahren können. Und Deutsch lernen. Und Flamenco tanzen.
Contra: Nein, wir dürfen sie dem Lalok nicht wegnehmen!

 

Jörg Schneider: Der Illusionist

Der smart auftretende AfD-Bundestagsabgeordnete aus Gelsenkirchen könnte den links-grün versifften Köpfen der Stadt mal richtig zeigen, wo der Hammer hängt! Als studierter Wirtschaftsingenieur wäre es für ihn ein Leichtes, die verkalkte GE-Ökonomie auf Vordermann zu bringen. Klimaschutz und Flüchtlingskrise werden dabei gekonnt ignoriert, getreu dem Motto: „Für das Klima: Unsere Wirtschaft auf Steinzeit-Niveau bringen! Da ist es logisch, Analphabeten mit Kenntnissen im Ziegenhüten und Lehmhüttenbau als Fachkräfte einwandern zu lassen.”
Mit Schneider als OB würde sich auch die Verkehrslage der Stadt entspannen und die nervigen „Fridays for Future”-Kids hätten endlich mal einen sinnvollen Grund auf die Straßen zu gehen. Zitat: „Richtig interessant wird es, wenn die Gretisten Murats Hochzeitskorso blockieren.” – Sie sehen schon, mit Jörg Schneider als künftigem Oberbürgermeister würde die Stadt einen großen Sprung in die rechte, äähh… richtige Ecke machen. Dass er als „Alter Herr” immer noch gute Verbindungen zur rechtsextremen Hamburger Burschenschaft Germania pflegt, wo er von 1988 bis 1992 aktives Mitglied war – geschenkt!

Pro: Wir suchen ja, wir suchen…
Contra: Erscheint demnächst in drei handlichen Bänden.

 

 

Gerhard Schröder: Mr. Klare Kante

Immer nur in den Aufsichtsratssitzungen osteuropäischer Gas-Konzerne rumsitzen, ist doch auf Dauer langweilig und für’s Altenteil auch zu wenig. Also, der Basta-Kanzler will’s nochmal wissen. Gazprom ist hier in GE ja auch schon fett gelandet, und vielleicht könnte Gerd sogar seine alte Flamme Doris wiedertreffen, die seit der Trennung in einer Sozialwohnung in GE-Hassel wohnt. Und wenn die Wahlergebnisse nicht stimmen? – Kein Problem, seine russischen Hackerfreunde machen das schon…

Pro: Der holt auch uns ’ne Flasche Bier!
Contra: Anstieg der Feinstaubwerte durch Zigarrenrauch

 

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