Clowns unter Tage – Eine skurrile Fahrt unter die Erde

Eine Rezension von Alexander Welp

„Manege frei, der Steiger kommt!“ – unter diesem Motto steht die musikalisch-komische Inszenierung von Roberto Ciulli, die, nach ihrer Premiere im Juni in Recklinghausen, zur Zeit im Mülheimer Theater an der Ruhr zu bestaunen ist. Das Werk will nicht den harten Alltag der Bergarbeiter dokumentieren; dies wäre auch vermessen und schlichtweg nicht möglich. Stattdessen leistete das gesamte Ensemble eine hervorragende Transferleistung und widmete dem sterbenden Mythos vom Zechenkumpel eine liebevolle Hommage.

Nach und nach betraten im ersten Teil, welcher über Tage noch bunt, sonnig, und fröhlich gehalten war, die Clowns die Bühne – jeder von ihnen mit eigenen Nuancen und Facetten bis ins Deatil.
Pantomimisch und beinahe ohne Worte wurde dem Publikum ein dermaßen lebendiges Bild geboten, das seinen Höhepunkt während eines laustarken Crescendos fand, als die Clowns Tiergeräusche imitierten.
Der zweite Teil begann ein wenig düsterer, jedoch umso komischer: Zum Beginn ihrer Schicht im Bergwerk glitten die Clowns rückwärts, vorwärts und seitlich über eine Rutsche hinab in den Schacht. Die harte Maloche eines Bergmannes wurde durch rhythmisches Hämmern, Schlagen, Rasseln und Sägen dargestellt und endete in einem aberwitzigen Ausdruckstanz.
Zur Ablenkung von der eigentlichen Knochenarbeit durfte ein improvisiertes Fußballspiel unter Tage natürlich nicht fehlen. Lustvoll wurde eine Blechtrommel hin- und hergepasst, geschossen und geköpft. Eine meisterliche Choreographie, die vom Publikum mit Zwischenapplaus belohnt wurde. Begleitet durch die musikalische Unterstützung von Matthias Flake, stimmten die Clowns zwischendurch aber auch hin und wieder zu melancholischen und besinnlichen Tönen an.

Während einer weiteren Nummer wurden die Rollbretter, eigentlich zum Kohletransport gedacht, kurzerhand zweckentfremdet und dienten den Clowns als Instrumente zum Synchronschwimmen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde jedem Zuschauer klar, welche Botschaft Ciulli mit seinem Werk zu übermitteln versucht: Rebellion statt blindem Gehorsam! Um den anstrengenden Alltag zu überstehen blieb den Clowns nichts übrig als ihre Kunst, ihr Humor und die Bestrebung nicht alles immer so ernst zu nehmen. Eine Aussage, welche in unserer heutigen teils monotonen Gesellschaft eine unheimlich wichtige Daseinsberechtigung besitzt!

Zusammenfassend bot der Abend im ausverkauften Theater an der Ruhr eine ungewöhnliche, absurde und wirklich lustige Theatererfahrung. Jeder Zuschauer konnte für sich selbst entscheiden, welchem Clown er seine Aufmerksamkeit schenken mochte und welchen man für einen Augenblick ignorieren konnte. Durch diese dynamische Inszenierung, bei welcher links und rechts innerhalb der einzelnen Szenen kleine Geschichten erzählt wurden, erlebte jeder Betrachter eine eigene, individuelle Vorstellung.

Weitere Termine:
09.12.2018 – 20:00 Uhr
15.12.2018 – 19:30 Uhr
30.12.2018 – 18:00 Uhr

9 € – 23,50 €

http://www.theater-an-der-ruhr.de

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