#Open Data – Die Macht der Daten

Im Gespräch mit Manfred vom Sondern

Interview: Michael Voregger

Die Stadtverwaltung Gelsenkirchen macht ihre Daten zu einer öffentlichen Angelegenheit. Seit Mai können die Bürger in einem Open-Data-Portal auf verschiedene Datensätze zugreifen. Wissen ist Macht, und die Währung unserer Zeit sind digitale Daten. An gesellschaftlichen Diskussionen können die Bürger einer Stadt sich nur beteiligen, wenn sie gut informiert sind. Noch stehen nicht alle Daten der Stadtverwaltung online bereit, aber das Angebot soll regelmäßig erweitert werden. Michael Voregger hat mit Manfred vom Sondern, dem Leiter der städtischen Statistikstelle, gesprochen.

Michael Voregger: Was verbirgt sich hinter dem Begriff Open Data?

Manfred vom Sondern: Open Data meint, dass die Kommune Daten für interessierte Bürger und für Entwickler von Apps veröffentlicht. Man kann damit machen was man möchte, man kann sie frei interpretieren und sogar Geld damit verdienen. Das entspricht den zehn international anerkannten Regeln für Open Data. Das sind unter anderem die Vollständigkeit der Daten, die zeitnahe Bereitstellung, und sie müssen leicht zugänglich sein. Das geschieht bei uns über ein Webportal. Ganz wichtig ist, dass die Daten maschinenlesbar sind, und es dürfen keine proprietären Formate verwendet werden – also keine PDF-Dateien, keine Word-Dokumente oder Excel-Daten. Wir bieten Textdateien an, die zum Beispiel für die Entwicklung von Apps genutzt werden können. Wir geben die Daten raus und überlassen alles weitere den Anwendern. Wir sorgen auch dafür, dass die Daten dauerhaft zur Verfügung stehen und kostenlos sind.

Warum macht die Stadt Gelsenkirchen das, und warum ausgerechnet jetzt?

Dieses Projekt entspricht natürlich dem Zeitgeist. Ich leite die Statistikstelle der Stadt und wir bekommen regelmäßig Anfragen. Wir habe bisher Daten auf der Internetseite der Stadt zur Verfügung gestellt, unter dem Impressum der Stadt und den entsprechenden Nutzungsbedingungen. Die Menschen fragen nach der Zahl der Bürger im Stadtteil, wie viele Autos auf den Straßen fahren, wie alt die Menschen hier sind und solche Dinge. Wir haben das mit Open Data jetzt professionalisiert, und die Aufbereitung der Daten erfolgt halbautomatisch. Wir können eine große Vielfalt anbieten und reagieren nicht nur auf Anfragen. Wir öffnen unsere Pforten, unsere Schränke sozusagen, und packen die Sachen nach draußen. Das macht uns die Sache erstmal leicht, und wir versprechen uns dadurch auch mehr Partizipation, dadurch das Bürger mit den Daten auch arbeiten können.

Es ja bereits viele Daten verfügbar, und weitere Inhalte sollen folgen. Gibt es Daten, die von der Veröffentlichung ausgeschlossen sind?

Ausgeschlossen sind alle Daten, die aus datenschutzrechtlichen Gründen geschützt sind. Es dürfen keine Einzeldaten herausgegeben werden, und das ist der Standard. Wir geben zum Beispiel statistische Daten auf der Ebene der Stadtteile oder der Stadt heraus. Wir haben in Gelsenkirchen eine Infrastrukturdatenbank, wo alle Daten enthalten sind, die eine Stadt überhaupt zu einer Stadt machen. Da sind zum Beispiel Spielplätze, Schulen, Kindergärten und Seniorenheime erfasst. Diese Einrichtungen werden von uns in Listenform auf dem Portal zur Verfügung gestellt. Diese Daten werden von den Fachdienststellen gepflegt, und so ist es sehr leicht, diese Daten auch nach draußen zu geben.

Warum sind zurzeit noch keine Daten zu den Themen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit vorhanden?
Wir haben mit den Dingen angefangen, die wir einfach zur Verfügung stellen können. Wir arbeiten aber an diesen Themen, und wir bekommen hier auch Daten von der Bundesagentur für Arbeit. Die Daten müssen gewissen Standards entsprechen, die wir zum Teil noch herstellen müssen oder automatisiert herstellen. Es gibt viele andere Datenbestände, die wir noch abklopfen auf die Tauglichkeit für Open Data. Wir müssen über Schnittstellen nachdenken und über Themen. Das oberste Gebot ist der Datenschutz, und alles was möglich ist, werden wir auch öffentlich machen.

Was sind gelungene Beispiele für Geschäftsmodelle mit den Möglichkeiten von Open Data?

Es ist ein recht neues Thema, und es gibt derzeit viele spielerische Ansätze. So kann man zum Beispiel sehen, wie die Wartezeiten derzeit im Bürgercenter sind. Wir haben auch Daten für eine Kastanien-App geliefert. Die kann man herunterladen und sehen, wo die nächste Kastanie steht. Wir wissen nicht, wer was braucht und was aus den Daten gemacht wird. Es gibt eben Interesse an Kastanienbäumen, und der Entwickler verdient damit kein Geld, aber er bindet die Daten live ein. Wenn die Gelsendienste hier die Standorte aktualisieren, dann sind die Daten frisch und aktuell.

Für Journalisten, Unternehmen und Studenten ist der Umgang mit Daten ja ein alltägliches Geschäft. Wie schwer tun sich die Bürger mit dem Angebot?

Wenn Bürger sich einmal damit beschäftigen und keine Daten mehr aus Dokumenten abschreiben müssen, dann sind die Reaktionen sehr positiv. Das war früher ja so, wenn sie kleine Diagramme machen wollten. Die sind jetzt sehr zufrieden, und das bekommen wir schon mit. Wer sich mit Excel oder ähnlichen Programmen auskennt, der hat seine Freude daran. Allen anderen könnte man mit kleinen Videos auf die Sprünge helfen, aber wir sind gerade am Beginn des Prozesses.

Wann kann die Stadt hier noch Veränderungen verlangen, wenn die Daten nicht in ihrem Sinne verwendet werden?

Es ist ein Irrglaube, wir hätten hier eine „Datenhoheit“. Das ist „old school“, und das Vorgehen „Wir erklären Euch Bürgern die Welt“ ist überholt. Jeder holt sich heute seine Informationen aus verschiedenen Quellen. Wenn wir gute Informationen bereitstellen, dann hoffen wir auf gute Interpretationen. Ich sage ganz bewusst nicht richtige, denn jede Interpretation beinhaltet ja eine andere Sichtweise. Wir haben dann keine Handhabe zu sagen, ob etwas richtig oder falsch ist. Wir können hier natürlich Hinweise geben. Wir kassieren nichts und stellen Open Data auch nicht wieder ein.

opendata.gelsenkirchen.de

Das vollständige Interview kann bei „soundcloud“ als Podcast angehört oder heruntergeladen werden.

Mit einem Online-Tool wie dem „datawrapper“ können aus den vorhandenen Tabellen mit etwas Übung ansehnliche Grafiken und Diagramme erstellt werden.

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