Programmplanung Radverkehr: Stadt Gelsenkirchen hat ambitionierte Pläne

Von Ulrich Krauß

Am 28. Oktober 2019 stellte die Stadt Gelsenkirchen in einem Pressegespräch die „Programmplanung Radverkehr“ vor. Hierzu lag eine Vorlage der Stadt für die Bezirksvertretungen, den Verkehrsausschuss und den Umweltausschuss vor (Drucksache 14-20/8001 im Ratsinformationssystem). Bei dem Gespräch standen OB Frank Baranowski, vom Referat Stadtplanung Herr Peter Föcking und vom Referat Verkehr Herr Stefan Behrens zur Verfügung.
In der Einleitung wurde vermerkt, dass eine Radmetropole wie Münster als Vorbild gewählt wurde und Gelsenkirchen mit dem vorhandenen Fahrradnetz durchaus verbesserungswürdig sei. Aktuell sei das vorhandene Netz auch wenig bekannt, eine negative Einschätzung sei daher die Folge. In der Vergangenheit hat man nach einem Konzept aus dem Jahre 2012 die vorhandene Infrastruktur teilweise durch Markierung von Schutzstreifen ergänzt.
Der aktuelle Plan will neben den vorhandenen Freizeitwegen (z.B. Erzbahntrasse) die Alltagswege für Berufs- und Ausbildungsverkehr sowie Einkaufsverkehr deutlich verbessern, damit ein umweltfreundlicher sicherer Radverkehr in der Stadt möglich ist und der motorisierte Verkehr teilweise ersetzt werden kann. Dazu gehören auch die Förderung von Fahrradverleihsystemen und die Schaffung von sicheren Fahrradstellplätzen.
Das Radwegenetz soll deutlich ausgebaut werden, es soll ein engmaschiges Netz an Alltags- und Freizeitrouten geschaffen werden und die öffentlichen Straßenräume mit Blick auf den Radverkehr umgebaut werden.
Es soll jedoch dem Radverkehr kein Vorrang propagiert, wohl aber Partei ergriffen werden für eine Verkehrsart, die ein sicheres und zügiges Fortkommen ermöglicht, die Freude und Fahrerlebnis bringt.

Die erforderlichen Haushaltsmittel stehen seit 2016 mit jährlich 1 Million Euro zur Verfügung, Für 2020 liegt der Haushaltsansatz bei 1,4 Millionen Euro, ab 2021 sind 1,6 Millionen Euro geplant.
Die konkreten Maßnahmen sollen mit vielen Stellen der Stadtverwaltung und mit Unterstützung der Polizei, der Umwelt- Verkehrs- und Behindertenverbände, der Verkehrsbetriebe sowie externen Experten aus der Wissenschaft und der Fahrradbranche umgesetzt werden.
Bereits 2019/20 soll der Öffentlichkeit zunächst das vorhandene Radwegenetz durch diverse Aktionen bekannt gemacht und die Hilfe aller Bürger und Einwohner zur Feststellung von „Schwachstellen“ eingefordert werden. Es soll z.B. möglich sein, über die App „GEmeldet“ bauliche Mängel an Radwegen zu melden und auch Anregungen geben zu können. Bei öffentlichen Veranstaltungen sollen die Ideen der Bürger*innen aufgenommen werden.

Zunächst wird die vorhandene Bestandsaufnahme der Radverkehrsanlagen nochmals umfassend überprüft und für die weitere Planung fortschreibungsfähig optimiert. In diesem Zusammenhang soll es Erhebungen über die Radverkehrsdichte geben, z.B. mit Hilfe von Zähleinrichtungen.
Als Sofortprogramm sollen die vorhandenen baulichen Mängel im Radverkehrsnetz beseitigt werden, z.B. soll eine Alternativroute zwischen den Zentren von Buer und Gelsenkirchen entwickelt werden, die möglichst verkehrsärmer als die Kurt-Schumacher-Straße ist und wenige Ampel-Anlagen hat. Diese Route soll durch Beschilderung, neue Markierungen und sonstige Maßnahmen ertüchtigt werden.
Da mehr Radverkehr auch mehr Parkbedarf bedeutet, sollen an geeigneten Stellen (Car)BikePorts* aufgestellt werden. Für Wohnanlagen sollen „Fahrradbügel on demand“, also auf Abruf der Bewohner, installiert werden, wenn das baulich möglich ist. Außerdem soll das bestehende System der Fahrradboxen „DeinRadSchloss“ überprüft und ggf. ergänzt werden. Für den Marktplatz Buer soll eine Mobilstation eingerichtet werden. Hier soll man in der Nähe des ZOB die Möglichkeit haben, Fahrräder sicher und geschützt abzustellen, Fahrräder, Lastenräder und E-Scooter auszuleihen sowie eine SB-Reparaturstation zu nutzen.
Es sollen auch Fahrrad-Servicepunkte mit Luftpumpen und dem gängigsten Werkzeug für einfache Reparaturen eingerichtet werden. Hier kam die Idee, Tankstellen für diese Servicepunkte anzufragen.

In der vorliegenden Drucksache sind ca. 30 vorhandene Radverkehrsanlagen aufgeführt, die zeitnah ergänzt oder ertüchtigt werden sollen. Etwas längerfristig soll das Programm „Fahrradstraßen“ aufgelegt werden, d.h. zu den vorhandenen vier Fahrradstraßen in Gelsenkirchen soll geprüft werden, wo weitere Fahrradstraßen eingerichtet werden.
Weitere geplante Maßnahmen sind:

• Modellprojekte initiieren / Ideen unterstützen bzw. umsetzen
• Förderung von Lastenrädern unterstützen
• Dienst-E-Bikes bei der Stadtverwaltung einführen / ergänzen
Damit dieses Programm zeitnah und schnell umgesetzt werden kann, soll der zuständigen Stelle im Referat Verkehr weiteres Personal zur Verfügung gestellt werden.

Die Stadt hat hier ein ambitioniertes und überfälliges Programm vorgelegt. Gemessen an dem, was bisher an Radverkehrsanlagen in Gelsenkirchen geschaffen wurde, überwiegend sog. Schutzstreifen, bleibt abzuwarten, was tatsächlich eingerichtet wird. Schutzstreifen sind ein erster Schritt in die richtige Richtung, um den Radverkehr in Gelsenkirchen voranzubringen, es gibt aber auch bessere Möglichkeiten, sichere Wege für Radfahrer zu schaffen. Der Blick nach Münster als Radmetropole ist ja nicht schlecht, etwas weiter sind jedoch z.B. Amsterdam und Kopenhagen. Klar, diese Städte haben Jahrzehnte gebraucht, die vorhanden Infrastruktur aufzubauen, aber an diesen Beispielen sollte man sich orientieren. Und sicher muss man auch dem motorisierten Verkehr Raum wegnehmen und ihn für Radler gestalten, aber genau das wurde in dem Gespräch vehement zurückgewiesen.
Bei den kommenden Veranstaltungen, bei denen die Bürger um ihre Meinungen und Ideen befragt werden, sollten alle, die an einer guten Infrastruktur für Radler in Gelsenkirchen interessiert sind, ihre Ideen als Fachleute einbringen. Vielleicht wird es dann doch in naher Zukunft für alle Menschen in Gelsenkirchen möglich sein, sich sicher mit dem Rad zu bewegen.

 

  • www.rasti.eu/de/catalog/category/view/id/1792
    www.cyclehoop.com/product/racks/bike-port

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