Kaue gerettet – was nun?

Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge präsentiert sich als Retterin des wichtigen Kulturstandorts in GE. Das könnte sie sogar wirkliche werden – wenn sie die Diskussion über die Zukunft der Kaue endlich in der Öffentlichkeit führt.

von Tobias Hauswurz

Dass „Kaue“ ein komischer Name für eine Konzerthalle ist, wird erst klar, wenn man die Grenzen des Ruhrgebiets verlässt. Denn erst dann ist „Kaue“ nicht mehr der allseits bekannte Ort, an dem sich Bergleute umziehen, sondern schlicht der Imperativ von „kauen“. Auf die Idee, eine Kulturstätte danach zu benennen, müsste man woanders erstmal kommen. Aber die Kaue steht nun mal nicht in Köln, München oder Hamburg, sondern in Gelsenkirchen und hier steht „Kaue“ eben nicht für den Befehl, die Beißwerkzeuge einzusetzen, sondern für die Geschichte einer Region, für die Erinnerung an die Vergangenheit und für den Stolz, die Erinnerung mit neuem Leben gefüllt zu haben. Für eine Stadt wie Gelsenkirchen ist die Kaue wichtig.

Wie wichtig, das haben die Spitzen der Stadt offenbar unterschätzt.

Nachdem die isso. Ende April erstmals über die Kündigung des Mietvertrages zwischen Gelsenkirchener Stadtwerken und VEWO berichtet hatte, schlug das drohende Kaue-Aus hohe Wellen. Online formierte sich Protest, die Pressestellen von Stadt und Stadtwerken hauten hastig Pressemitteilungen in die Tasten, WAZ und Co. zogen nach, der WDR schickte ein Kamerateam nach Gelsenkirchen und zu Herbert Knebel, der sich entsetzt zeigte über so wenig Weitsicht.

Am Donnerstag kam dann die Entwarnung: Die Kaue bleibt, verkündete Oberbürgermeisterin Karin Welge im Hauptausschuss. Seit der Kündigung Ende letzten Jahres habe es Gespräche zwischen den Stadtwerken und der Verwaltung über die Zukunft der Kaue gegeben. Dabei sei es nie um das „ob“, sondern nur um das „wie“ gegangen. Die Bemühungen, das alles als politischen Erfolg für die Oberbürgermeisterin umzudeuten, sind also in vollem Gange. Dass die Sache mit dem „ob“ und dem „wie“ auch ohne den öffentlichen Druck so klar gewesen wäre, wirkt wenig glaubhaft. Wer sich vom Getrommel nicht beirren lässt, bei dem bleibt mindestens ein fader Beigeschmack, eher aber zig Fragen über die intransparenten Abläufe im Hans-Sachs-Haus und die Erkenntnis: Die Dinge laufen offenbar nur dann im Sinne der Gelsenkirchener:innen, wenn die Öffentlichkeit dabei ist.

Zu einem Thema hat Karin Welge übrigens nichts gesagt, obwohl es ja angeblich immer nur darum ging: Wie genau geht es jetzt eigentlich weiter? Ein paar Ideen liegen auf dem Tisch. Die einen stellen sich ein soziokulturelles Zentrum vor, andere sehen das Potenzial für einen Co-Working-Space.

Aber nicht nur, wie es weitergeht ist entscheidend, sondern auch wo. Im Hinterzimmer oder in der Öffentlichkeit?

Womit wir wieder am Anfang wären: Die Gelsenkirchener:innen haben gezeigt, dass ihnen die Kaue wichtig ist. Sie sollten jetzt auch mitbestimmen, was aus ihrer Kaue wird. Für Karin Welge liegt darin die Chance, für einen echten politischen Erfolg: Sie könnte sich dafür entschuldigen, die Gelsenkirchener:innen so lange außen vor gelassen zu haben. Sie könnte interessierte Vereine, Kulturschaffende, Künstler:innen und Stadtteilkämpfer:innen mit der Verwaltung und den Stadtwerken an einen Tisch bringen. Das Kulturamt könnte die Diskussion über die Zukunft der Kaue moderieren, die Presse sie kritisch begleiten. Der Wille in der Bevölkerung ist mit Sicherheit da. Der politische Wille an Gelsenkirchens Verwaltungsspitze hoffentlich auch.

isso politisch., Mai 2021

Öffentlichkeit unerwünscht

Stadtwerke trennen sich von Kaue als Veranstaltungsort Von Denise Klein und Tobias Hauswurz Die Gelsenkirchener Stadtwerke haben den Mietvertrag mit der KAUE in Gelsenkirchen-Schalke gekündigt. Schon im Juni endet der Vertrag. Die Kulturspielstätte in den historischen Gebäuden der Zeche Wilhelmine-Victoria steht damit vor dem Aus. Die Kündigung liegt bereits Monate zurück – warum blieb das so lange unter Verschluss? Still und heimlich sollte es mit … Öffentlichkeit unerwünscht weiterlesen

Ein Gedanke zu “Kaue gerettet – was nun?

  1. Mittlerweile ist die „Beschlossene Tagesordnung“ der Sitzung des Hauptausschusses vom 6. Mai veröffentlicht, in der OB’in Karin Welge von der KAUE-Rettung berichtet haben soll.

    Intransparenterweise wird der Mündliche Sachstandsbericht der Oberbürgermeisterin zur Lage der KAUE nicht nur nicht als eigener Tagesordnungspunkt (wie zum Beispiel 2. Mündlicher Sachstandsbericht Corona), sondern nicht im Ansatz erwähnt. Taucht gar nicht auf. Das ist echt intransparent.
    https://ratsinfo.gelsenkirchen.de/ratsinfo/gelsenkirchen/Meeting.html?year=2021&month=4&mid=9768#current

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code