Der Weg ist das Ziel – Über das Kammerorchester der Musikschule

 

 

von Denise Klein

Mittlerweile zwei Jahre arbeitet Christian van den Berg als neuer Fachbereichsleiter für Orchester an der Gelsenkirchener Musikschule. Eine der ersten Amtshandlungen nach seiner Einarbeit war die Aufteilung des damaligen Sinfonieorchesters. Der studierte Dirigent und Pianist erkannte die unterschiedlichen Leistungsstandards innerhalb des Orchesters. So entstanden die Sinfonietta als Mittelstufenorchester für Schülerinnen und Schüler der Musikschule, die seit einigen Jahren an ihren Instrumenten unterrichtet werden, und das Kammerorchester, welches im Übrigen das einzige verbandlich organisierte, klassische Laienorchester der Stadt ist. Hier spielen nicht nur Musikschüler und -lehrer, sondern das Ensemble steht allen offen, die ihr Instrument so gut beherrschen, dass sie das Niveau halten können. Einmal in der Woche wird gemeinsam geübt, vor Auftritten natürlich öfter und intensiver. „Das Konzert ist der Abschluss der Arbeitsphase“, erklärt Christian van den Berg, der von Enschede nach Gelsenkirchen zur Arbeit pendelt. Und konzerterprobt kann man das junge Ensemble schon nennen. Ob Auftritte im Schloss Horst, beim Neujahrskonzert im Hans-Sachs-Haus, im Konzert- und Theatersaal Nordhorn oder im niederländischen Zwolle; das Kammerorchester Gelsenkirchen ist ob seiner musikalischen Klasse gefragt.

 

Das Gebäude der Musikschule an der Rolandstraße stammt aus dem Jahre 1908.

 

 

Dabei ist die Gruppe der Musikerinnen und Musiker äußerst heterogen. Derzeit 35 Mitglieder im Alter von 14 bis 78 Jahren sind mit Herz, Zeit und Leidenschaft dabei. „Wir sind aber immer offen für weitere Mitspieler“, so Christian van den Berg und ergänzt: „Auch wir haben unterschiedliche Niveaus in der Leistung, wie in jedem Orchester. Aber ich sehe es so, dass der Weg das Ziel ist.“ Neben seiner Aufgabe, das differente Können und die unterschiedlichen Talente zu einem wohlfeilen Klangkörper zu verbinden, organisiert er auch die Auftrittsmöglichkeiten und -modalitäten. Nach einem erfolgreichen Kooperationsprojekt mit dem Sinfonieorchester der Musikschule Nordhorn in diesem Sommer, bei dem in großer Besetzung die Schottische Sinfonie von F. Mendelssohn Bartholdy gespielt wurde, wird es auch im nächsten Jahr eine Neuauflage dieser Kooperation geben. Gespielt wird dann die 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven und das Violinkonzert von Jean Sibelius. Besonders freut er sich, dass das Ausnahmetalent an der Geige, die 14-jährige Mira Marie Foron, die schon beim Neujahrskonzert 2015 das Kammerorchester solistisch bereichert hatte, bei diesem Projekt wieder mit dabei sein wird. „Mira ist für unsere Schülerinnen und Schüler wichtig, denn so sehen sie, wohin man mit Fleiß und natürlich Talent kommen kann. Aber man muss auch sagen, dass eine gute Unterstützung der Familie in der Nachwuchsförderung besondere Bedeutung hat“, so Christian van den Berg. Dieses Konzert wird gemeinsam mit dem Sinfonieorchester der Musikschule aus Nordhorn im kommenden Sommer im Schloss Horst stattfinden. Doch vorher stehen noch einige weitere Auftritte an, für die das Kammerorchester bereits intensiv probt. Das nächste Konzert führt das Ensemble über die Grenze ins niederländische Zwolle. Hier gibt das Kommerorchester GE gemeinsam mit befreundeten niederländischen Musikern ein Benefizkonzert. Der Erlös kommt dem Frauenhaus „Amader Nir“ (Unser Nest) in Dhaka, Bangladesch zugute, wo Opfern von Menschenhandel geholfen wird, ein neues Leben aufzubauen. Gespielt wird die „Oxford-Sinfonie“ von Joseph Haydn und die „Suite Pastorale“ von Emmanuel Chabrier.

Christian van den Berg studierte zunächst Klavier bei Hans Dercksen an der Musikhochschule Amsterdam und Dirigieren bei Tilo Lehmann an der Musikhochschule „Constantijn Huygens“ in Zwolle (NL). Nach seinem Studium war er als zweiter Dirigent beim Musical „Grace“ in Amsterdam beschäftigt, bevor er als Studienleiter an das Theater in Neustrelitz wechselte. Nach Stationen am Stadttheater in Hildesheim und am Nordharzer Städtebundtheater war er bis 2014 als

Kapellmeister am Stadttheater Bielefeld. Zu seinem Repertoire gehören zahlreiche Bühnenwerke, darunter die Opern „Tosca“, „Don Giovanni“, „Carmen“, „La Traviata“, „Der Wildschütz“, zahlreiche Operettenklassiker, Musicals, Sinfonien und Solokonzerte. Seit 2014 ist Christian van den Berg Fachbereichsleiter an der Städtischen Musikschule Gelsenkirchen, wo er das Sinfonie- und das Kammerorchester leitet, sowie die Fächer Musiktheorie, SVA und Klavier unterrichtet.

 

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