Bauchschmerzentscheidung – Ulli Jacob (SPD) zur Frage der Sekundarschule auf dem Schalker Verein

Die SPD-Ratsfraktion hat(te) seit vielen Jahren das Ziel, eine zusätzliche integrierte Schule des längeren gemeinsamen Lernens in GEMitte zu gründen. Wir haben dabei immer auf eine neue Gesamtschule gesetzt, nicht zuletzt, weil es seit Jahren stadtweit mehr Anmeldungen interessierter Schüler als Plätze an dieser Schulform gibt. Dass wir nun der Verwaltungsvorlage gefolgt sind und die zeitnahe Errichtung einer Sekundarschule unterstützen, folgt schlicht einem gewissen Pragmatismus: Wir müssen kurzfristig viel neuen Schulraum errichten, da wir tausende Kinder – „Seiteneinsteiger“ mit Zuwanderungs- oder Flüchtlingshintergrund – in Internationalen Förderklassen (IFö) unterrichten und diese nach spätestens zwei Jahren ins Regelsystem – in Klassen der Regelschulen – wechseln sollen. Diese Kinder, das zeigen die bisherigen Zahlen und Erfahrungen, wechseln in aller Regel nicht an eine Realschule oder ein Gymnasium. Daher blieb zu entscheiden, ob eine neue Gesamt- oder Sekundarschule zu gründen war.

Für eine Gesamtschule hätte die Verwaltung der Schulaufsicht bei der Bezirksregierung Münster nachweisen müssen, dass es auch einen Bedarf nach einer zusätzlichen Oberstufe gibt – denn das unterscheidet ja maßgeblich die beiden Schulformen. Dieser Nachweis lässt sich leider aktuell auf Grundlage der Zahlen nicht antreten. Natürlich bleibt es unser gemeinsames Ziel, möglichst viele Kinder so zu qualifizieren und schulisch fit zu machen, dass sie den bestmöglichen Abschluss erreichen. Das gilt auch und gerade für die zuvor genannten Kinder. Wir hoffen sehr, dass diese enorme Anstrengung gelingen wird. Dann bliebe für die neue Schule auch die Option einer eigenen Oberstufe (Umwandlung in eine Gesamtschule) – die räumlichen Möglichkeiten wären am Standort Schalker Verein vorhanden; alternativ ergibt sich die Kooperation mit nahegelegenen Schulen, z.B. der Gesamtschule Ückendorf (gemeinsame Oberstufe). Da der Handlungsdruck immens war und ist aufgrund der vielen, vielen IFö-Schüler, die zum nächsten und übernächsten Schuljahr in Regelklassen integriert werden müssen, und weil die Zahlen/Prognosen der Schulverwaltung für die nächsten Jahre eindeutig sind, hat sich die SPD-Ratsfraktion – trotz Bauchschmerzen und der grundsätzlichen Bevorzugung einer Gesamtschullösung – dem Vorschlag der Verwaltung angeschlossen.

Diesem enormen Handlungsdruck ist es auch geschuldet, dass von der Möglichkeit einer vorherigen Elternbefragung oder eines umfangreichen Gutachtens nicht Gebrauch gemacht werden konnte. Dass die Vertreter der Stadtelternpflegschaft im Bildungsausschuss zwar auch eine Gesamtschule bevorzugt hätten, jedoch die Errichtung einer Sekundarschule als integriertes System des längeren gemeinsamen Lernens unterstützt haben, lässt uns hoffen, dass die neue Schule gut angenommen werden wird. Die Erfahrungen mit der bestehenden Sekundarschule in Hassel sind jedenfalls durchweg positiv und machen Mut. Gleichzeitig werden wir selbstverständlich die Schülerzahlenentwicklung und die – potentiellen – Abschlüsse im Auge behalten und hoffen sehr, dass immer mehr Kinder in Gelsenkirchen die Perspektive auf einen höheren Schulabschluss erreichen. Die Schulstruktur/-formen werden wir dem anpassen und stets weiterentwickeln.

Ulli Jacob (geb. 1980), Bildungspolitscher Sprecher der SPDFraktion,
ist Lehrer für Geschichte, Sozialwissenschaften und
Deutsch. Er ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Ückendorf-Süd
und Mitglied im Vorstand der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung.
www.spd-gelsenkirchen.de

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