Der Vermittler der schönen Künste

Im Gespräch mit Honke Rambow – Pressereferent des Musiktheaters im Revier

Wenn Zuschauer*innen in die Inszenierungen des Musiktheaters strömen, nehmen sie natürlich die bunten und gewaltigen Eindrücke des Hauses wahr. Das prächtige Theater von außen sowie innen, die detailverliebte Kulisse auf der Bühne, klangvolle Musik und die wunderschönen Stimmen der Ensembles.

Doch bis es zu einer Premiere kommt, fallen natürlich zunächst viele Vorbereitungen an. Klar, einerseits wird natürlich geprobt, das Bühnenbild wird hergestellt und Kostüme werden angefertigt. Aber um dem Publikum eine Inszenierung schmackhaft zu machen, muss das Interesse geweckt werden.

Für diesen Job zeichnet Honke Rambow verantwortlich. Ohne den Pressereferenten des Musiktheaters würden Journalist*innen nichts von den spannenden Produktionen erfahren, es gäbe keine Pressegespräche mit den Künstler*innen und natürlich auch keine Rezensionen der Stücke.

Im Interview beschreibt Rambow seinen Alltag im Theater und gibt einen interessanten Einblick in seine Pressearbeit.


Herr Rambow, als Pressereferent des Musiktheaters im Revier haben Sie bestimmt einen spannenden Beruf – woran arbeiten Sie im Moment?

Honke Rambow: Die erste Hälfte des Tages habe ich mich mit der Innendarstellung des Hauses beschäftigt und die MiR-News fertiggestellt. Das ist ein Medium, das alle zwei Monate im Haus für die Mitarbeiter*innen erscheint und über die aktuellen Themen aus dem Theater für das Theater informiert. Im Anschluss werde ich mich um die Außendarstellung des Hauses kümmern und der Presse mitteilen, was wir in der Produktion „Die verkaufte Braut“ planen.

Sie haben eine recht beeindruckende Vita: Neben journalistischer Arbeit (u.a. für „PRINZ“ und „kultur.west“; Anm.d.Red.), Musik sowie eigener Regiearbeiten waren Sie bereits am Schauspielhaus in Bochum beschäftigt – was führte Sie zum MiR?

Die Stelle war zu haben, und das MiR ist ein Haus, was mir zu meiner Zeit als Kulturjournalist bereits sehr am Herzen lag – das war für mich immer eine Voraussetzung für jegliche Dinge, die ich gemacht habe. Ich muss vollkommen hinter der Arbeit des Unternehmens oder des Verlags stehen können. Ich könnte nie in einem Theater oder Opernhaus arbeiten, wo ich das Produkt, das ich letztendlich auch verkaufe, nicht gutheißen kann. Außerdem ist es wirklich schön, dass man nachmittags ganz allein durch das Foyer laufen kann.

Bei dem tollen Gebäude kann ich das verstehen!

Das ist wirklich ernst gemeint! Vor allem abseits von Vorstellungen ist das wahnsinnig schön. Und das Interessante ist: es behält tatsächlich seinen Reiz! Nach den Ferien war es wirklich so, dass ich mich auf
die Kolleg*innen und genauso auf das Haus gefreut habe.

Leonce und Lena”, Georg Büchners einziges Lustspiel, bringt Regisseurin Astrid Griesbach als Puppenspiel mit Musik von Herbert Grönemeyer auf die Bühne (November / Dezember 2022). Foto: © MiR

Arbeiten Sie in Ihrem Bereich mit einem ganzen Team?

Die Pressearbeit mache ich im Prinzip alleine und eigenverantwortlich. Natürlich stets in Abstimmung
mit der Dramaturgie oder den Regisseur*innen. Allerdings gibt es in meinem Bereich auch Dinge, die sehr
teamorientiert ablaufen. Viele Ideen entstehen zusammen mit unserer Referentin für Onlinemarketing, Sophia Dorra, und Christoph Nagler, der für die IT verantwortlich ist.

Eben sprachen Sie von Ihrem heutigen Arbeitstag. Ist das ein normaler Tag hier im Haus?

Es gibt keinen normalen Tagesablauf. Meine eiserne Regel: Wenn man morgens aufsteht und genau weiß, was man an dem Tag machen wird, dann geht das garantiert total schief! Ich arbeite nie nur an einer Sache. Wenn ich Glück habe, dann kriege ich es hin, eine Pressemitteilung komplett in einem Rutsch fertig zu schreiben. Das ist allerdings wirklich selten, weil zwischendurch natürlich immer eine Menge Arbeit per Telefon oder E-Mail reinkommt. Außerdem stehen immer wieder Sitzungen in allen möglichen Konstellationen an, oder ich muss kurz in eine Probe springen, um Pressegespräche abzustimmen. Das mag aber auch charakterlich bedingt sein. Ich komme sehr gut damit klar, alles gleichzeitig und durcheinander zu machen. Es gibt sicherlich andere Leute, die das auch sehr gut machen, aber immer in den Tunnel für jeweils eine Sache gehen und alles andere ausblenden. 

Das wäre nämlich die nächste Frage gewesen: Stresst Sie der Job?

Nein, erstaunlicherweise nicht. Irgendwie kann ich ganz gut mit den oft schrägen Arbeitszeiten und den wenigen freien Wochenenden umgehen. 

Sie haben im Schauspielhaus in Bochum bereits einen ähnlichen Job gehabt. Gibt es Unterschiede bei der Pressearbeit für ein Schauspielhaus im Vergleich zu einem Opernhaus – oder eben dem Musiktheater?

Das ist eine total interessante Frage, die ich tatsächlich eher aus dem Gefühl heraus beantworten kann. Zwischen meiner Zeit in Bochum und jetzt liegen natürlich viele Jahre, und Pressearbeit verändert sich mit der Zeit. Ich glaube aber, dass es auf jeden Fall Abweichungen gibt. Gerade hier am Haus gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Sparten. Dabei sind manche Dinge einfacher und andere schwieriger. Solange man sich bei den Opern im üblichen Repertoire bewegt, ist es relativ übersichtlich. Natürlich bedeutet das nicht, dass in dem Bereich jede Pressemitteilung zur Routine wird. Im tänzerischen Bereich sieht es etwas anders aus. Über Tanz zu schreiben, ist vergleichsweise schwierig. Deshalb überlege ich immer, was ich den Journalist*innen an die Hand geben kann, damit sie etwas mit den Produktionen anfangen können – auch wenn sie jetzt nicht totale Spezialist*innen für den Tanz sind. Das Gleiche gilt für die Sparte des Puppenspiels. Bei unseren Produktionen mit Puppen, die keine Inszenierungen für Kinder sind, ist es immer noch etwas mehr kommunikativer Aufwand, um das Interesse an richtiger Stelle zu wecken. Ich spreche dann eher von „Schauspiel mit Puppen“, um einen größtmöglichen Abstand zur „Kasperletheater“-Assoziation zu halten. Andersherum liegt in so einer Formulierung aber auch die Gefahr, dass das Neue und Einzigartige des MiR Puppentheaters nicht mehr richtig zur Geltung kommt, weil es ja eben nicht einfach eine Schauspielsparte ist. Wobei da in Gelsenkirchen der Haken ist, dass wir keine eigene Sparte für Schauspiel haben. Das bedeutet, dass dieser Bereich etwas komplett Neues darstellt. Alle bisherigen Versuche, diese Sparte in der Stadt zu etablieren, haben bisher nicht funktioniert. 

Das ist ein Gedanke, den ich seit jeher hatte: Wäre das kleine Haus des Musiktheaters nicht der ideale Ort für den Bereich des Schauspiels? Natürlich neben den musikalischen Produktionen im großen Haus.

Das ist eine Konstellation, die man sich wohl so denken kann. Reine Schauspielproduktionen im großen Haus sind heute nicht mehr denkbar. Im großen Haus haben wir 1.000 Plätze, die man mit Schauspiel kaum voll bekommen würde. Auch den großen Schauspielhäusern, die in der Nachkriegszeit teilweise mit an die 1.000 Plätzen gebaut wurden, sind diese nicht mehr zeitgemäßen Kapazitäten eine Last. Man könnte jetzt natürlich sagen, dass wir diesen Bereich hier im kleinen Haus anbieten. Aber das kleine Haus ist natürlich speziell, weil es über relativ wenig Bühnentechnik verfügt. Es hat keine richtige Unterbühne, und es gibt keinen richtigen Schnürboden. Es würde also schnell die Gefahr bestehen, dass ein Schauspiel dort eher die Atmosphäre eines Studios bekommt.

Wäre das denn so falsch?

Nein, falsch wäre das nicht. Natürlich könnte man das so machen. Die Frage ist nur, ob die Zuschauer*innen das interessieren würde. Es würde wohl auch die traditionelle Achse zwischen Bochum und Gelsenkirchen schwächen, was Schauspiel und Musiktheater betrifft. Mit dem relativ neuen Bereich des Puppenspiels gibt es bei uns nun aber auch Inszenierungen mit einem Anteil von Schauspiel. Dazu muss man zudem sagen, dass die drei Mitglieder unserer Puppenspielsparte zunächst einmal ausgebildete Schauspieler*innen sind – und noch dazu verdammt gute, wie ich finde!

 

„Momo” – ein Tanzabend von Giuseppe Spota nach dem Buch von Michael Ende mit Musik von Sigur Rós und ATMO. Ab April 2023 im MiR zu erleben. Foto: © Ida Zenna

 

Das Foyer des Musiktheaters ist geprägt von Putz-Weiß, Yves Klein-Blau und Natursteingrau. Foto: © MiR
 

         

Abschließend noch eine Frage: Was ist das Schönste bei Ihrer Arbeit und macht Ihnen am meisten Freude?

Das Schönste ist tatsächlich, mit den Leuten hier zusammenzuarbeiten. Es klingt ein wenig cheesy, ich weiß! (lacht) Aber das war in allen Jobs so. Man arbeitet hier mit so vielen Menschen mit verschiedenen Hintergründen zusammen. Man hat die Technik, die Werkstätten und die sehr unterschiedlichen Ensembles. Auf diese Menschen zu treffen und immer neue Sachen zu erleben – das macht einfach unheimlich viel Spaß!

 

„Nachmittags ganz allein durch das Foyer laufen – das ist wahnsinnig schön!” Foto: © Ralf Nattermann

 

http://www.musiktheater-im-revier.de

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