Wer braucht schon Kassel?

SZENIALE 22 – In Ückendorf sind sie alle

Über 100 Künstlerinnen und Künstler sind am Samstag in Ückendorf mit dabei

Wenn etwas in Gelsenkirchen Aussicht auf Erfolg hat, dann ist es sicher eine Idee, die graswurzelartig, sprich aus der bürgerlichen Basis entsteht. Und nach einem gelungenen Auftakt vor drei Jahren geht die Szeniale somit folgerichtig als Festival der freien Künste am kommenden Samstag (22.8.22, 11 – 24 Uhr) in die zweite Runde. Verdient und nach der langen Zwangsdurststrecke mehr als nötig.

Als thematische Klammer um alle Arbeiten, die mal weiter, mal näher gefasst sind am Thema, dient das Motto „Nebenan beginnt die Welt“, das den eigenen Interpretationen der Künstler Raum gibt.

Thematische Bearbeitungen unterschiedlicher Gattungen beleuchten unter anderem Fragen nach Zwischenmenschlichkeit, Nachbarschaft, Heim- und Fernweh, Bekanntem und Unbekanntem. „Wir haben Künstler und Künstlerinnen aus dem Ruhrgebiet, aber auch aus anderen Ecken wie Köln, Wuppertal oder Luxemburg. Wir wollen ins künstlerische Tun kommen und uns nicht selbst bespielen. Wir wollten die Szeniale größer denken“, erläutert Festivalleiter Christoph Lammert den räumlich weitergefassten Gedanken der Szeniale 22. Mehr als 100 Künstler beteiligen sich, stellen aus, treten auf, interagieren an 28 Stellen im Stadtteil Ückendorf.

Nicht nur künstlerisch und thematisch erlebt das zweite Festival eine veränderte Situation. Es scheint, als habe sich in den letzten drei Jahren an der Bochumer Straße und ihrer Peripherie mehr getan als seit Beginn des städtisch geplanten Umbaus 2014. Und diese neuen Stätten werden nun ebenfalls Gastgeber für die unterschiedlichen Formate, laden ein, mitzumachen, nur zuzuhören oder zu schauen. So zählt unter anderem nun die Brotfabrik in der Ückendorfer Straße, der alte Supermarkt KauVer, das neue mxr lab und natürlich die Heilig-Kreuz-Kirche zu den neuen Locations. Auch vier Privatleute öffnen wieder ihre Gärten, auch hier wird das Motto real mit Leben gefüllt. Ückendorf ist eine würdige Bühne und Kulisse für die Hoch-, Sub- und U-Kultur, für Geschmeidiges und Sperriges geworden.

Wer sich das Programm anschaut, wird es schwer haben, sich entscheiden zu können. Von gemalten Elefanten – gleich 50 an der Zahl – im Justizzentrum, klassischer Klaviermusik mit Michael Gees im Supermarkt, dem Graffiti-Workshop mit DAN am Bunker, Lesungen, Bands, Singer-Songwriter, Trommeln, Fotografien, Bildende Kunst, Erzählungen, Mode und Lifestyle mit „Fisch & Apfelmus“ oder bei Tom Corners Plattenbörse, Poetry, Workshops, Führungen und anderen Aktionen; man kann es kaum zusammenfassen.

Programmhefte in gedruckter Form gibt es nicht mehr, stattdessen eine sehr komfortable App, die nähere Infos zu Orten und Künstlern gibt, per Route an die Spielstätten führt und aufzeigt, wo man sich womit im Stadtteil leiblich verpflegen kann. „Es bleibt alles hier im Quartier“, so Lammert. Und die Gastroszene in der Bochumer Straße ist vielfältig. Ob Saft- und Cocktailbar, Dönerladen, Café, Grill, Pizza oder Kiosk – es ist alles zu finden. Auch diese sind unter dem Punkt „Essen und Trinken“ in der App zu finden, versehen mit dem Hinweis, ob es dort eine Toilette gibt. Ein nicht zu unterschätzender Service.

Alle Orte sind übrigens fußläufig zu erreichen, und die Veranstalter bitten, am besten mit dem ÖVR anzureisen. Das ist ökologisch, entspannt und verstopft das Gesamtareal nicht.

Die Absprung zur SZENIALE-APP – kein Download notwendig und auch auf dem Desktop aufrufbar – findet ihr unter https://www.szeniale.ruhr/

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